Czerny Weingarten 2010


Soldatisch steht Flasche an Flasche. Akkurat wurde der Grünbelagentferner
45 m lang positioniert. Die zum Kult gewordenen grünen Flaschen mit rotem Verschluss
lassen assoziativ aus der Entfernung an Mohnblumen denken, wohl wissend,
dass die Natur nie derart gleichmäßig auftaucht und schon gar nicht im Innenraum.
Es ist mehr als ein Paradoxon, wenn der Grünbelagentferner 1. auf dem sauberen Fußboden gestellt,
2. der Grünbelagentferner in einer grünen Flasche vertrieben und
3. der Grünbelagentferner in einer Ausstellung über Gärten präsentiert wird.

Im Stadtgarten stach Pytlik das Wort Grün aus einer grünen Rasenfläche.
In der sichtbaren braunen Erde erscheint die Farbbezeichnung im Negativ,
in der grünen Natur wird das Grün aus der Erde gelöst, um es in der „Negation“,
der „Leere“, positiv hervorzuheben. Der gelernte Steinbildhauer übersetzt,
abhängig vom Ausstellungsort, die künstlerische Arbeit in die jeweilige Landessprache
und möchte „durch Reduktion und die Farbe Grün kollektive Naturerinnerung ansprechen“, so der Künstler.
Erstmals in Weingarten säte der Künstler in die ausgehobene Fläche die Pflanze „Jungfer im Grünen“,
die im August rosa und blau blühen soll. Das Wort „Grün“ wird sukzessive zum farbigen Akzent.
Alle Grundfarben sind darin enthalten: Rot in Rosa, Gelb in Grün und das Blau.
Anders als im feststehenden Farbkreis kommt für den Künstler selbst noch das eigentlich
sekundäre Grün als vierte Grundfarbe hinzu.
Die Farbe Grün wird zum weltumspannenden Prinzip, auch das Grün in der Natur.

Dr. Ilonka Czerny
Weingarten 2010